Zurück in Siaya – Tag 1

Zurück in Siaya – Tag 1

22. September 2019 Große Augen. Schüchterne Blicke. Verlegenes Lächeln. Die ersten mutigen, die auf meine erhobene Hand einschlagen. Die ersten frechen, die etwas doller einschlagen. Langsam löst sich die Spannung und immer mehr kommen zu mir. Wer noch kein Herz für Kinder haben sollte, der komme bitte mal hier vorbei. ♥️ Es war aber auch sehr schön, alle Erwachsenen wiederzusehen. Sie freuten sich sehr über die mitgebrachten Grüße aus Deutschland, immerhin waren ja in den letzten Monaten mehrere Deutsche da gewesen. Viele lange Gespräche, sehr viel guter Austausch, die ersten Ideen verfestigen sich, die ersten Wünsche wurden geäußert. Sie wussten schon länger über mein Kommen Bescheid, und natürlich verbindet jeder damit andere Hoffnungen. Ich schaute mich ein bisschen um. Begeistert bin ich vom Garten. Collins, der Gärtner, zeigte mir Bohnen, Mangold, Chili, Kürbis, Süßkartoffeln, Sukuma Wiki, anderes Blattgemüse, Möhren, Paprika, Koriander. Besonderes Highlight sind Aubergine und Rosmarin, das findet man in der Gegend fast nie. Collins hat den Garten vergrößert und ist viel mit Gießen beschäftigt – es regnet zwar manchmal, aber nicht jeden Tag und auch nicht genug. Also habe ich mir das Ziel gesetzt, ihm einen langen Gartenschlauch zu besorgen, der mit dem 10,000 l Tank oben am Waisenhaus verbunden werden kann. Nur leider fehlt mal wieder ein OBI um die Ecke. Tag 1 war schon wieder volle Routine, so wie früher. Auf dem Weg zur Mittagspause brachte ich ein krankes Kind nach Hause (auf dem Gepäckträger), auf dem Weg in die Stadt wurde mir im Vorbeifahren ein Heiratsangebot gemacht. Ich freute mich über diese altbekannten Begebenheiten und lächelte sogar bei den „mzungu“-Rufen. Ich war wieder da und es fühlte sich gut an! Am Abend hatte ich noch Gelegenheit, zwei Familien zu besuchen. Es gibt zwei neue Mädchen in der Schule, deren Mutter gestorben war und die jetzt hierher zu ihrer Tante gezogen sind. Diese ist aber schon alt und kann sich nicht so gut um die Mädchen kümmern. Besonders da das eine von den Mädchen eine mentale Schwäche hat. Die zweite Familie bestand aus Großeltern, die zusammen mit ihren drei Söhnen, deren Frauen und zwei Enkeln in zwei Mini-Hütten wohnten. Keine Ahnung, wie das funktioniert. Die ärmsten Verhältnisse, aber dennoch bestanden sie darauf, uns Chai und Toastbrot anzubieten. Ich ging mit einem guten Gefühl ins Bett. Wenn ich an einem einzigen Tag schon so gut voran komme, was ist dann in vier Wochen möglich?